Info: Lé la - von rls - www.crossover-agm.de (Germany)

fotkaWollte man dieses Review in einem Satz zusammenfassen, er könnte folgendermaßen lauten: Wer die Moldawier Zdob Si Zdub von der prinzipiellen Herangehensweise mag, aber vielleicht einen Tick zu hardrockig findet, der entdeckt in den Tschechen Cankisou seine perfekte Ersatzdroge. Das soll freilich nur ein grober Anhaltspunkt sein, denn die Universen beider Bands weisen jeweils stark individuell geprägte Züge auf, auch wenn beide eine prinzipielle Verwurzelung in der Folklore der südosteuropäischen Länder nicht verleugnen können. Von dieser gemeinsamen Basis strecken beide Bands ihre Fühler aber in unterschiedliche Richtungen aus. Der Hardrockarm von Cankisou reicht wie beschrieben nur bis in gewöhnliche Rockterritorien, und das Septett, in dem neben Leadsänger Karel Herman auch alle anderen Mitglieder vokalen Pflichten nachgehen, besitzt trotz ekstatischen Gitarrensolos in "Mangé pou le coeur" offenbar auch keinen Gitarristen, allerdings dafür einen festen Mandolinisten, wenngleich dieser zumindest in den elf Songs respektive 49 Minuten von "Lé La" nur selten an die akustische Vorderfront tritt. Trotz massiver Bläserpräsenz, hier in Gestalt von Saxophonen und Flöten, hält sich bei Cankisou auch der Skafaktor in Grenzen, wohingegen die ethnisch geprägte Percussion in Kombination mit dem regulären Rockdrumming einen starken Einfluß auf die Gestaltung der Songs ausübt. Das Material groovt vorn und hinten in unterschiedlichen Tempolagen, hält sich allerdings vom Speedfolk fern, legt dafür unter die ausgedehnte Einleitung von "Mangé pou le coeur" trotz alles andere als langsamen Grundbeats einen entspannten Teppich, der dem fast entrückten Charakter dieses Parts nicht entgegenläuft. Ein gutes arrangementöses Händchen besitzen die Tschechen offensichtlich ("Lé La" ist auch schon ihr fünfter Longplayer, dazu kommt noch eine Best Of), wenngleich das Fragezeichen auf der Stirn des Hörers bei einigen wenigen Passagen auch nach wiederholtem Hören nicht verschwinden will, etwa bei der zerhackten Einleitung des Openers "Choros apo tin amo" (die aber live vermutlich besser zündet, wenn man sie mit Publikumsanimation und Wechselshouting verknüpft), der sich dann in eine große Folkrockhymne wandelt, allerdings an Zdob Si Zdubs "Cosmic Song" nicht ganz vorbeikommt. Der Folkfaktor, um mal wieder auf den Vergleich mit Zdob Si Zdub zurückzukommen, stammt bei Cankisou aus einem deutlich größeren Teil der Welt. Das recht oft eingesetzte Didgeridoo ist zwar mittlerweile fast zum mitteleuropäischen Standardinstrument geworden, aber pakistanische Einflüsse hört man dann doch eher selten. Solche verarbeiten Cankisou in "Zuha", einer Kooperation mit dem bekannten pakistanischen Sänger Sain Zahoor - zu diesem Song gibt's auch ein Video auf "Lé La", das hauptsächlich in Pakistan gedreht wurde, wo die Band anno 2007 auch schon auf einem Festival gespielt hat, zu dessen Besuchern immerhin der pakistanische Staatschef gehörte. Kann sich jemand Angie Merkel auf dem TFF in Rudolstadt vorstellen? Okay, wir schweifen ab. Andere Einflüsse Cankisous stammen von der Insel Réunion (ein französisches Überseeterritorium im Indischen Ozean), und der letzte Song "www.bwindiorphans.org" basiert auf einem Traditional aus Uganda. So reisen Cankisou "einmal um die ganze Welt", um mit den Worten ihres Landsmanns Karel Gott zu sprechen (wenngleich die Folgezeile "und die Taschen voller Geld" hier sicherlich weniger Praxisrelevanz aufweist), und schaffen es dennoch, die unterwegs gesammelten Einflüsse zu homogen wirkenden Songs zusammenzuschrauben (von einzelnen sich partout nicht erschließen wollenden Szenerien mal abgesehen - aber das ist in diesem vielschichtigen Kontext kein Wunder und daher nicht negativ zu bewerten). "Lé La" soll die härteste CD Cankisous sein - eine Entwicklung, die der Rezensent angesichts seines eigenen Hörbackgrounds durchaus begrüßt, aber trotzdem stellt er sich das Septett live noch deutlich begeisternder als auf der sauber produzierten Konserve vor, was er bei Gelegenheit dann auch zu überprüfen hofft. Das Team vom Malzhaus Plauen hatte also wieder mal den richtigen Riecher, denn Cankisou haben dort schon zweimal beim Folkherbst gespielt. Zu erwähnen wäre auch noch der Humor der Band, der sich außer in der Musik selbst (man höre mal die Haustiergeräusche in "Borrega"!) auch noch in außermusikalischen Aspekten spiegelt. Die 2007er Best Of-CD taufte man kurzerhand "Best Of 1372-2007", und wenn man sich das Cover von "Lé La" mal genau anschaut, entdeckt man in der dort gezeichneten Strandszene auf Réunion links oben im Baum (!) eine Dronte, einen flugunfähigen Vogel, der immerhin bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet worden ist und niemals auf einen Baum hätte gelangen können. Im Gras des Vordergrundes liegen übrigens zwei Exemplare der Namensgeber der Band, nämlich die legendären Canki-Menschen, welchselbige in diversen mittelalterlichen Naturkundewerken auftauchten (mit Verweis auf Erkenntnisse aus der Antike, meist auf Plinius d.Ä.) und nur ein Bein mit einem riesigen Fuß besaßen, unter dessen Schatten sie rasten konnten. Daß einer der sieben Tschechen auf dem Bandfoto dann auch noch ein Shirt mit der Aufschrift "Nanga Parbat" trägt, paßt irgendwie ins kunterbunte und doch stimmige Bild der Band. "Music which makes audience all around the world dance" heißt der Promospruch - und er trägt Wahrheit in sich, wenngleich der livehaftige Beweis durch den Rezensenten erst noch erbracht werden muß. Aber bis dahin kann man ja schon mit "Lé La" durchs heimische Wohnzimmer pogen. http://www.crossover-agm.de/cdCankisou08.htm




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